Chronik der Karnevalsgesellschaft 1827 Heimbach e.V.
Der „historische Grundstein“ für die Feier des 175-jährigen Jubiläums der KG Heimbach liegt in einem alten zerschlissenen Liederblatt von einer „Sitzung mit Damen“ aus dem Jahr 1827.
In diesem Liederblatt heißt es:
Die Väter haben uns gelehrt, wie man den Carneval verehrt. Wir folgen ihrem Beispiel nach, vergessen Sorg‘ und Ungemach. Ob’s regnet, stürmt, ob’s hagelt, schneit, ein echter Narr ist stets bereit, feiert bei Lieb, Gesang – Gesang und Wein, feiert den edlen Carneval am Rhein.
Aus diesem Text läßt sich schließen, daß seit 1827 und vermutlich bereits früher in Heimbach Carneval gefeiert wurde, denn selbst Einwohner, die zur Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts bereits 70 oder 80 Jahre alt waren, konnten sich laut Überlieferung nicht an den Ursprung der Fassenacht erinnern. Carneval wurde seit ihrer Jugendzeit gefeiert, denn es war, wie in dem Liederblatt vermerkt: Das Erbe ihrer Väter.
Bemerkenswert ist vor allem die große Zahl der wunderbaren Lieder und Gedichte schon aus dem 19. Jahrhundert, in denen in gewitzter Form das damalige zeitgeschehen glossiert wurde. Aus diesen Unterlagen geht hervor, daß die „Heimbacher Junge“, wie sie sich nannten, schon immer einen Sinn für geistreichen, geschliffenen Witz und Humor besaßen. Sie gründeten alljährlich eine neue Gesellschaft, wählten ein zeitgemäßes Motto und sorgten in den Sälen von Heimbach für lustige Unterhaltung, vor allem auf närrischen Sitzungen.
Anfangs begnügte man sich an den Fassenachtstagen mit fröhlichem Beisammensein und Tanz, doch bereits 1832 fand laut Zugprogramm ein närrischer Umzug mit einfachen Bauernleiterwagen statt, die mit Tannengrün geschmückt und teilweise von 6 Pferden gezogen wurden. Schon einige Jahre später wird vom Herumtreiben in Masken berichtet.
Aus der nachfolgenden Zeit zwischen 1848 und 1870 sind keine Unterlagen vorhanden. Obwohl während der unruhigen Revolutionsjahre wahrscheinlich kein geordnetes Vereinsleben bestand, wurde das karnevalistische Brauchtum erhalten und fortgesetzt, denn bereits 1876 fand dien Umzug statt unter dem Motto: „Nau säin mer werrer suweit“. Nach dieser Zeit kann man anhand von vielen Vorträgen und Fastnachtszeitungen die Entwicklung der Heimbach-Weiser Fassenacht bis zum heutigen Tage verfolgen. So wissen wir, daß auch die Gemeindepolitik sehr oft kritisiert wurde, unter anderem als die Gemeindeväter um 1900 sich dem Bau eines geplanten Bahnhofs der Reichsbahn widersetzten.
In alten Vereinsbüchern wird berichtet, daß die KG Heimbach im Jahre 1901 bereits 152 aktive Mitglieder zählte und daß das Zugprogramm desselben Jahres je einen Prachtwagen – für den Prinzen Johann III. (Wirz) und die Prinzessin sowie fünf Charakterwagen und 6 Reitergruppen verzeichnete. Im Jahre 1903 erfolgte eine weitere Steigerung unter dem Prinzen Heinrich I. (Maxein) mit 20 Zugnummern.
Den Bürgern von Heimbach-Weis wird auch in heutiger Zeit ein Hang zum „Separatismus“ nachgesagt. Daß diese Charaktereigenschaft nicht ganz von der Hand zu weisen ist zeigt das Thema eines Charakterwagens aus dem Jahre 1905 mit dem Thema „Eingemeindungsgebrüll“. Offensichtlich waren die Karnevalisten mit ihrem damaligen Prinzen Jakob IV. (Maxein) ihrer Zeit voraus, da das Thema 65 Jahre später Realität wurde.
Im Jahre 1909 konnte mit den Heimbacher Wirten keine Einigung erzielt werden, so daß der Zug ausfiel, es fand lediglich eine sogenannte Kappenfahrt ohne Prinzen und Wagen statt.
Nicht zu vergessen ist der Vermerk, daß die Fassenachtszüge nicht immer reibungslos zwischen den Nachbarorten abliefen. Vor allem an der Ortsgrenze zu Weis kam es beim Zusammentreffen der Züge gelegentlich zu gefährlichen Bombardierungen mit allerlei Wurfgeschossen. Zu erwähnen ist auch ein alter Brauch der Heimbacher Fassenachtsgecken, die sich alljährlich auf dem Marktplatz versammelten und ein Ausrufer zu Pferd den Dorfbewohnern die Fassenachtszeitung mit den närrischen Paragraphen vorlas. Das Volk antwortete stets mit dem Ruf „Heisi-Heisa-Heisi-Heisa, die neuen Paragraphen, die sind da“.
1914 mußte man lange suchten, bis schließlich Willi III. (Einig) als letzter Prinz vor dem 1. Weltkrieg proklamiert werden konnte. Danach trat eine Pause ein, denn das Protokoll einer Versammlung am 27.9.1919 im Lokal Krupp vermerkte, daß die KG nach einem 6jährigen Schlaf wieder neu beginnen wolle. Leider mußte man den Verlust von 40 aktiven Mitgliedern beklagen, wobei die Namen Herschbach und Hillen aufgrund großer Verdienste besonders erwähnt wurden. Obwohl in dieser Zeit Umzüge verboten waren, wurde 1922 mit dem Prinzen „August der Starke aus der Nerrergaß“ der 1. Nachkriegsumzug unter dem Motto „Mier stüüre oos net dran“ gestartet. Während der Zug lief hatte man das Auge des Gesetzes (ca. 30 Polizisten) durch eine List im Prinzenpalais eingesperrt und mit reichlich Alkohol versorgt. Diese kuriose Geschichte hatte allerdings ein gerichtliches Nachspiel, wobei Strafen zwischen 30 und 60 Reichsmark verhängt wurden. Doch trotz Strafen und Verboten wurden immer wieder Umzüge, zum Teil zu Fuß, durchgeführt. Ab 1928 ging es wieder aufwärts bis zum Höhepunkt im Jubiläumsjahr 1938. Hier startete man zu einem großen Jubiläumszug unter dem Motto „111 voll, nau würet doll“.
Ein strahlender Prinz „Peter von der Hoffmannsburg“, dessen Vater bereits 1881 Prinz gewesen war, zog bei herrlichem Wetter als letzter Prinz vor dem 2. Weltkrieg durch die Straßen von Heimbach. Obwohl während des Krieges jegliches Vereinsleben unmöglich war, wurde von den wenigen Daheimgebliebenen der Kontakt zu den Mitgliedern an den Fronten durch die sogenannten Heimatklänge aufrechterhalten. Es war ein Informationsblatt, das unter der Regie von Peter H. Fink in alle Welt verschickt wurde und überall Lob und Anerkennung fand.
Abermals war nach dem Krieg ein großer Verlust an Mitgliedern zu beklagen. Trotzdem verstand es der damalige Präsident Karl Mittler schon im Jahr 1948 einen Umzug mit dem ersten Nachkriegsprinzen „Theo vom Soiwaasem“ auf die Beine zu stellen.
1950 faßten die Gesellschaften von Heimbach und Weis den erfreulichen Beschluß, den Karnevalszug künftig gemeinsam zu gestalten. Durch die gute Zusammenarbeit beider Vorstände wurden die Züge nach und nach immer schöner und größer.
1952 feierte man das 125. Jubiläum mit einer großen Sitzung und abschließend mit einem prunkvollen Karnevalszug unter dem Prinzen „Franz von der Sternenburg“.
Im Jahr 1957 entschloß sich die KG Heimbach, zukünftig ein gleichbleibendes Vereinsmotto zu wählen. So entstand der neue Schlachtruf „Ömmer parat“, der sich bis zum heutigen Tage bewährt hat. Allerdings mußte man Abschied nehmen von einer alten Tradition von Mottos, die durch Schicksalsjahre geprägt Ausdruck von guten und schlechten Zeiten waren. Zum Beispiel 1914 „Mier wesse boröm“, 1933 „Oos lait nix dran“, 1939 „Öt wüürt ball fäin“ oder 1948 „Mier waade droff“.
Doch auch mit dem neuen Ruf „Ömmer parat“ konnte die Entwicklung der Heimbacher KG erfolgreich fortgesetzt werden. 1962 feierte man das 135. Jubiläum unter dem Motto „135 Jahre Wirtschaftshilfe“. Den Abschluß bildete ein prunkvoller Jubiläumszug mit dem Prinzen und späteren Ehrenpräsidenten Josef Preußiger.
Die erfreulicherweise immer größer und prunkvoller werdenden Umzüge verursachten leider auch immer größere Kosten. Dies brachte von Jahr zu Jahr neue Probleme. Deshalb entschloß sich die KG Heimbach ab 1971 neue Wege zu gehen und die bis dahin unrentabel gewordenen jährlichen Bazarveranstaltungen nicht mehr durchzuführen. Die letzte dieser Art war 1971 im Gasthaus Felsenkeller. Gleichzeitig wurden ab 1970 anstelle der bis dahin durchgeführten „Wanderungen zur Fuchsberghütte“ 2 Maifeste in kleinen, geliehenen Zelten am Waldbach abgehalten, die bei der Bevölkerung großen Anklang fanden. Dadurch ermutigt entschloß man sich zum Bau einer eigenen, etwa 500 Personen fassenden Halle am Waldbach.
Dieses Projekt wurde im März 1972 in Angriff genommen und bereits am 22.4.1972 war die Halle fertig. Eine Woche später, am 1. Mai des Olympiajahres 1972 wurde sie in Anwesenheit von ca. 1.000 Besuchern feierlich auf den sinnigen Namen Trinksporthalle eingeweiht. Mit dieser Leistung von Komitee und vielen Helfern wurde ein Grundstein für die zukünftige Finanzierung des Fassenachtszuges gelegt. Seit dieser Zeit bilden die Einnahmen von Maifest und Sommerfest einen wesentlichen Grundstock für die Aktivitäten der KG Heimbach.
Inzwischen war auch im Bereich des Sitzungskarnevals ein Wandel zu verzeichnen. Nachdem diese Veranstaltungen bisher auf den Sälen der Gaststätten durchgeführt wurden, konnte 1971 erstmals der damalige Prinz Appel (Herbert Sonntag) in der neuen Festhalle eingeführt werden. Seither finden alle Prinzenproklamationen und Sitzungen in diesem „närrischen Saal“ mit 750 Sitzplätzen statt. Dieser neue Rahmen für den Sitzungskarneval, insbesondere aber die Programmgestaltung ausschließlich mit ehrenamtlichen Vortragenden sorgte weiterhin für den hohen Bekanntheitsgrad der Heimbach-Weiser Fassenacht.
Um auch den Nachwuchs für den Karneval zu begeistern, werden seit 1954 auf Initiative der KG Heimbach am Fassenachtsonntag Kinderumzüge durchgeführt, die von einem Kinder-Prinzenpaar angeführt werden. Seit Beginn der siebziger Jahre werden jährlich Kindersitzungen durchgeführt, die zunächst im Saalbau Schwan und später ebenfalls in der Festhalle stattfanden.
Im Jahr 1977 stand das 150-jährige Jubiläum der KG Heimbach an. Unter Präsident Karl Gegenwarth und dem Prinzen Egon (Busch), der bereits im Jahr 1957 den närrischen Nachwuchs als Kinderprinz von Heimbach-Weis anführte, wurde mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert.
Neben den unzähligen Fußgruppen sind die Heimbach-Weiser Karnevalsumzüge seit jeher für ihre phantasievollen und mit viel Liebe zum Detail gebauten Karnevalswagen bekannt. Im Lauf der Zeit wurde die Gestaltung dieser Wagen immer professioneller. Früher noch während der Wintermonate aus der Landwirtschaft geliehen, verfügt die KG Heimbach heute über eigene Fahrgestelle, auf denen die Motiv- und Prunkwagen gebaut werden. Die bis zu 8 Meter langen und 6 Meter hohen Wagen werden über 2-3 Monate von den Wagenbauern der Gesellschaft nur für den großen Umzug am Fassenachtdienstag aus Holz, Eisen, Pappmaché, Farbe und Staniolpapier gefertigt, um bereits kurz nach dem Umzug bereits wieder abgebaut zu werden. Zunächst wurden die Wagen in Feldscheunen oder größtenteils offenen Unterständen gebaut. Hier standen die Wagenbauer oftmals in Eis und Schnee, Kleister und Farbe sind nicht selten eingefroren. In den siebziger Jahren pachtete die KG Heimbach in der Schulstraße eine leerstehende Scheune an, deren Hallenfläche 1978 mit einem Anbau verdoppelt wurde. Nun bestand erstmals die Möglichkeit, 6 Wagen zentral an einer Stelle zu bauen.
Zum Ende der 80er Jahre erkannte der Vorstand der KG Heimbach, daß aufgrund des weiter steigenden Platzbedarfs eine neue Lösung notwendig wurde. So wurde der Beschluß gefaßt, eine eigene Wagenbauhalle zu errichten. Allerdings bedurfte es noch einer Vorbereitungszeit von über 3 Jahren, bis im April 1993 endlich der erste Spatenstich für die neue Wagenbauhalle durchgeführt werden konnte. In einer Bauzeit von 3 Jahren entstand am Ortsrand von Heimbach nach den Plänen des Architekten Norbert Bleit ein Domizil von bis zu 10 großen Karnevalswagen. Neben der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Neuwied und von Unternehmen und Bürgern aus Heimbach-Weis war es insbesondere der ehrenamtliche Einsatz vieler Helfer, die die Entstehung der Wagenbauhalle ermöglichten. Als optischer Leckerbissen zeigen sieben großformatige Bilder von Norbert Bleit auch nach außen, daß es sich hier um ein karnevalistisches Bauwerk handelt.
Daß das politische Weltgeschehen nicht nur von den Karnevalisten thematisiert wird, sondern auch direkten Einfluß auf das Vereinsleben der KG Heimbach hat, zeigte sich im Jahr 1991. Nach dem Beginn des Golfkrieges entbrannten im gesamten karnevalistischen Deutschland Diskussionen darüber, ob in Anbetracht der Beteiligung in Deutschland ansässiger britischer und amerikanischer Truppen überhaupt Karneval gefeiert werden könne. Diese Diskussionen gipfelten darin, daß die Vertreter aller Heimbach-Weiser Karnevalsvereine massiv bedrängt, teilweise sogar angegriffen wurden. Unter diesem öffentlichen Druck wurden nach der Proklamation von Prinz Claus I. (Keil) und Kinderprinz Kai (Poveleit) sämtliche Veranstaltungen und Umzüge abgesagt. Doch, wie schon oftmals in der Vergangenheit, ließen sich die Heimbach-Weiser nicht davon abbringen, ihre Fassenacht zu feiern. Am Karnevaldienstag 1991 trafen sich, ohne größere Absprachen, einige hundert Fassenachtsgecken, um trotzdem einen „inoffiziellen“ Karnevalszug durch die Straßen von Heimbach-Weis zu führen. Ein Novum brachten die Golfkriegswirren mit sich: Sämtliche Tollitäten blieben ein weiteres Jahr im Amt, so daß Prinz, Kinderprinz und Obermöhn Hanni auch im Jahr 1992 die Heimbach-Weiser Narrenschar regierten.
Die Arbeit für Vorstand und Mitglieder der KG Heimbach bestand nicht immer nur in der Organisation von karnevalistischen Veranstaltungen oder Festen. Eine der finanziellen Säulen des Vereins, die Trinksporthalle, wurde in den Jahren 1994 und 1997 durch das Werk von Brandstiftern ein Raub der Flammen. Viel Engagement war notwendig, um beide Male die Trinksporthalle anschließend wieder aufzubauen.
Im Jahr 1999 galt es erneut, ein Jubiläum zu feiern. Die Prinzengarde der KG Heimbach blickte auf ihr 111-jähriges Bestehen zurück. Bei einer überaus erfolgreichen Veranstaltung konnte eine Vielzahl von Exprinzen und der amtierende Prinz Martin (Hahn) den Gardisten unter dem Hauptmann der Garde und Ehrenpräsident der KG Heimbach, Hans-Erich Schmidt, zum närrischen Jubiläum gratulieren.
Den krönenden Abschluß der närrischen Session bildet alljährlich der große Umzug am Fassenachtdienstag. Mittlerweile zieht der närrische Lindwurm mit über 2.500 Zugteilnehmern, rund 20 Motiv- und Prunkwagen, 25 Musikkapellen und einer Vielzahl von Fuß- und Großfußgruppen durch die Straßen von Heimbach-Weis. Seit Jahren bereits säumen mehrere Zehntausend Besucher aus Nah und Fern die Zugstrecke, um bei diesem Spektakel mitzufeiern. Für eine noch größere überregionale Resonanz sorgte 2000 und 2001 die Live-Übertragung des Umzuges im 3. Programm des Südwestfunk-Fernsehens. Nach Aschermittwoch wurden beide Karnevalsgesellschaften aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland angesprochen.
Diese Vereinsgeschichte und mit ihr der Erfolg der KG Heimbach begründet sich in einer jahrhundertealten Tradition, welche die Begeisterung der Heimbach-Weiser für ihre Fassenacht tief verwurzelt hat. So kann heute voller Stolz auf eine 175-jährige Vereinsgeschichte zurückgeblickt werden. Für die Zukunft ist die KG Heimbach zuversichtlich, auf diesem Weg die Heimbach-Weiser Fassenacht fortzuführen.